Kategorie: Bericht aus dem Weinberg

  • Wein mit allen Sinnen erleben

    Wein mit allen Sinnen erleben

    Eine kleine Einführung in die Welt der Weinverkostung

    von Kai Wunner

    Egal ob es das erste Glas Wein ist das man probiert oder ob die trainierten Sinne eines Wein-Profis einen Bordeaux analysieren, das Erleben von Weinen ist immer eine subjektive Angelegenheit. Jemanden, der etwas nicht mag, den wird man nur schwer von einem erstklassigen Produkt überzeugen, selbst wenn es sich um eine Ausnahmequalität handelt. Es ist und bleibt in erster Linie reine Geschmackssache.

    Wer das Thema objektiver angehen möchte, dann stellen sich erstmal folgende Fragen:

    Was sind die Reize die den Sinnen im Weinglas beim Probieren begegnen?

    Wie wird versucht, diese Wahrnehmung zu vereinheitlichen, um Subjektives objektiver erscheinen zu lassen?

    Hier der Versuch einen einfachen ersten Einblick in die Grundlagen, wie man Wein erlebt, und in welcher Reihenfolge die Sinne dabei ins Spiel kommen, zu gewähren.

    Weinverkostung – © Deutsches Weininstitut (DWI)

    Wein probieren

    Egal ob Anfänger oder Profi, der Zugang zu Wein wird über die Sinne erfahren. Mit dem Auge, der Nase und den Geschmacksinnen im Gaumen werden Reize wahrgenommen, die dann durch folgern und analysieren ein Gesamtbild abgeben. Der menschliche Verstand verfügt über ein probates Mittel viele verschiedene Sinneseindrücke, auf einmal einzuschätzen – die Intuition. Meist ist der erste Eindruck, Einschätzung oder Gefühl zutreffend. Selbst der Laie erkennt ihm ersten Moment, schmeckt oder schmeckt nicht, basierend auf den gemachten Erfahrungen. Die Intuition ist aber geprägt von den abgespeicherten Erfahrungen aus der Vergangenheit.

    Um sich darüber hinaus zu entwickeln, gibt es nur einen Weg, und der heißt probieren, probieren, probieren. Durch die Erfahrung des Verkostens von immer mehr unterschiedlichen Weinen wächst die Erfahrung und die Sinne werden geschärft. Ein Top-Sommelièr braucht, zusätzlich zu einer gewissen Begabung, die Übung des ständigen Verkostens. Die Leistung der Top-Profis schätzt man umso mehr, wenn man sich erst mal auf den Weg des Probierens begeben hat. Die beste Unterstützung dabei ist eine strukturierte Vorgehensweise, nach der kontinuierlich vorgegangen wird:

    Schau Dir den Wein an und bewerte den optischen Eindruck.


    Rieche den Wein und identifiziere Aromen und deren Wirkung.


    Schmecke den Wein von der Zungenspitze bis zum Abgang.

    Ordne die Erfahrungen ein und setze sie in Beziehung zueinander. Die Wahrnehmung eines Weines ist immer ein subjektives, komplexes Thema und muss durch Üben trainiert werden.

    Optische Bewertung

    Bei der Betrachtung des Weines helfen natürliches Licht und ein weißer Hintergrund. Welcher zur Not auch ein weißes Blatt Papier sein kann. Folgende Kriterien können dann nach Schemata bewertet werden, die von verschiedenen Weininstitutionen im Netz zu finden sind.

    Wein betrachten © Deutsches Weininstitut (DWI)

    Farbtöne und deren Intensität und Klarheit.

    Beispielhafte Farben für Weißwein: Glanzhell, strohgelb, Zitronengelb, Goldgelb, Altgold und Bernsteingelb.

    Beispielhafte Farben für Rotwein: Schwarzrot, Rubinrot, Kirschrot, Purpurrot, Ziegelrot, Granatrot.

    Die Viskosität gibt Aufschluss über den Alkoholgehalt. Beim Schwenken des Glases deuten langsamer laufende Schlieren (Tränen) auf mehr Alkohol hin. Dies wird durch die Oberflächenspannung des Weins ausgelöst.

    Youtube-Video: Weinfarben enstschlüsseln (englisch!)

    Aromen erkennen

    Beim Geruch des Weines geht es um das Identifizieren von Aromen. Das Riechvermögen von Menschen ist sehr unterschiedlich ausgeprägt, aber erneut gilt der Grundsatz: Übung macht den Meister. Es geht darum den Duft des Weines bekannten Aromen zuzuordnen. Dabei unterscheidet man in primäre, sekundäre und tertiäre Aromen.

    Die primären Aromen kommen aus der Beere und sind meist blumig und fruchtig. Die sekundären Aromen werden bei der Gärung vor allem von Hefen und Bakterien verursacht und riechen dann zum Beispiel nach Hefe, Teig, Butter, Brot, Leder, Käse, Pfeffer und mehr. Bei den Tertiäraromen wird es dann am spannendsten, sie entstehen erst bei der Reifung eines Weins und verleihen ihm Komplexität. Beispiele dafür sind balsamische, Holz-, und Reifearomen. Aber ebenso können würzige Noten, Waldboden, Teer, Lakritze und Schokolade tertiäre Aromen sein.

    Der Wein richt nicht überall gleich im Glas. Man bewegt die Nase über dem Glas hin- und her und vergleicht außerdem höher und tiefer im Glas.

    Glücklicherweise gibt es für die Aromen beim Wein Hilfestellung wie Aromaräder und weitere Übersichten. Einfach im Netz zu finden und sehr hilfreich am Anfang um die Aromen zu identifizieren. Mit dieser Hilfestellung und fleißigem Üben wird sich das Empfinden der Nase entwickeln.

    Wein erschnuppern – © Deutsches Weininstitut (DWI)m

    Galerie: Beispiele für Weinaromen von Rebsorten

    Wein schmecken

    Mit dem ersten Schluck kommt dann der interessanteste Teil der Weinbewertung, das Schmecken. Im Vergleich zu den Aromen ist Geschmack nicht ganz so vielfältig, lediglich fünf verschiedene Geschmacksrichtungen kommen zum Tragen. Süß, sauer, salzig, bitter und umami sind das, was vor allem die Geschmacksknospen auf der Zunge erkennen erkunden. Bei jedem Schluck Wein wird man unterschiedliches erleben, Süße an der Zungenspitze, Säure die den Mund wässrig macht, Tannine die den Mund austrocknen oder die Wärme von Alkohol.

    Die einzelnen Eindrücke zu erkennen, die Vermischung der Geschmäcker wahrzunehmen und die Wahrnehmungen von der Zungenspitze bis zum Abgang im Rachen zu einem Gesamteindruck zusammenzuführen ist das Anspruchsvollste beim Probieren von Wein.

    Notizen helfen – © Deutsches Weininstitut (DWI)

    Eine große Hilfe dabei sind Verkostungsnotizen. Egal ob im Notizbuch oder auf den Formularblättern der Vorlagen aus dem Internet, Notizen helfen unterstützen einen sich an Weinerlebnisse zu erinnern und nützen bei der nächsten Bewertung.

    Ziel ist es letztlich eine Aussage über Qualität, Trinkreife und das Reifungspotential zu treffen. Diese Kunst zu Erlernen, ist aber ein langer, mühsamer Weg, der nur die besten nahe an die Perfektion heranbringt. Für den Laien ist es dessen ungeachtet eine tolle Erfahrung, sich den möglichen Weg anzuschauen und erste Schritte in diese Richtung zu wagen.

    Für neues offen sein

    Wie eingangs schon erwähnt, schafft es unsere Intuition, auf einen Schlag einen Eindruck und eine persönliche Bewertung zu erstellen, die für einen subjektiv meist sehr zutreffend ist. Mit der vorgestellten Herangehensweise, den Informationen und Methoden wird sich das Weinerlebnis erweitern und sich möglicherweise neue Horizonte öffnen. Weine die anfänglich nicht geschmeckt haben, erfahren mit der Zeit eventuell eine neue Bewertung und Bekanntes kann durchaus auch den alten Reiz verlieren.

    Wer sich tiefer in das Thema einlesen möchte findet hier noch ein paar Tipps,die jedoch keinesfalls einen Anspruch auf Vollständigkeit beanspruchen.

    Jens Priewe: Wein — die große Schule

    Madeline Puckette, Justin Hammack: Der ultimative Wein-Guide
    Die beiden sind übrigens die Köpfe hinter dem preisgekrönten Wein-Blog Winefolly.com, mit vielen interessanten Infografiken.

    BIO:

    Kai Wunner, Unternehmer im Einzelhandel, 52 Jahre,

    Kommt aus Stuttgart und seine beiden großen Hobbies sind Wein und Golf. Seit seiner Ausbildung zum dualen Betriebswirt im Einzelhandel dem Thema Wein verbunden und dieses ist immer im Herzen gebleiben, auch wenn sich das Sortiment in seinen Einzelhandelsbetrieben mittlerweile der Versorgung von Tieren aller Art widmet. Seine Artikel sollen einen einfachen Zugang zum Thema Wein ermöglichen, ohne den Anspruch des großen Experten zu erheben. Er ist Mitgründer des 2013 entstandenen Online-Golfmagazins GolfSTR. Mit WineSTR wird das Konzept nun auf den Wein übertragen. So soll eine regionale Community für Weinliebhaber entstehen in der Metroplregion Stuttgart und gerne darüber hinaus entstehen.

    Mit dem WineSTR CLUB soll eine Gemeinschaft entstehen die gemeinsamen Spaß und Vorteile für die Mitglieder schaffen soll.

  • 2020 ein gutes Jahr für den deutschen Wein?

    2020 ein gutes Jahr für den deutschen Wein?

    Was für einen guten Jahrgang wichtig ist

    von Kai Wunner

    Das Deutsche Weininstitut informiert jährlich über die Qualität und Menge des Weines in Deutschland. Hier sind die Informationen für 2020:

    Der Weinjahrgang 2020 hat hierzulande sehr gute Qualitäten und eine leicht unterdurchschnittliche Erntemenge von bundesweit geschätzten 8,6 Millionen Hektolitern hervorgebracht. Wie das Deutsche Weininstitut (DWI) mitteilt, haben die deutschen Weinerzeuger dank des sonnigen und trockenen Spätsommers hochreife und sehr gesunde Trauben geerntet, die zudem im Rotweinbereich perfekt ausgefärbt waren. Entsprechend aromatisch und ausgesprochen fruchtig präsentieren sich bereits die ersten Weißweine im Fass und die Rotweine zeigen großes Potenzial.

    Der Sommer im September hat die Weinernte aber auch sehr beschleunigt. Bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen von oftmals weit über 25 Grad Celsius sind die Zuckergehalte in den Trauben schnell angestiegen, so dass viele Sorten gleichzeitig die Lesereife erreicht hatten. Geerntet wurde häufig in den frühen Morgenstunden oder auch nachts, um die Trauben möglichst kühl in den Keller zu bekommen. In vielen Betrieben war die diesjährige Weinlese bereits nach drei bis vier Wochen abgeschlossen. Einige Winzer lassen aber auch noch Trauben hängen, da sie auf die Bereitung von Beeren- oder Trockenbeerenauslesen spekulieren, denn der Jahrgang bietet gute Chancen für diese edelsüßen Spezialitäten. 1 Quelle Deutsches Weininstitut

    Diese aktuellen Informationen führen einen direkt zu dem Thema, was ein guter Jahrgang eigentlich bedeutet. Eine kleine Übersicht soll helfen, das Verständnis dafür zu wecken.

    Welche Faktoren sorgen für einen guten Jahrgang?

    1 . Das Klima

    Wie das Klima für einen guten Jahrgang sorgt:

    • Ein kalter Winter, gibt der Rebe Erholung.
    • Ordentlich Regen zu Beginn des Frühjahrs, bringt den Böden viel Wasser.
    • Ein warmes spätes Frühjahr, gibt der Rebe Kraft zum Austreiben.
    • Leichter Wind nach einem Sommerregen trocknet die Laubwand.
    • Der Spätsommer sollte trocken und und nicht zu heiß sein.
    © Kai Wunner

    Schädlich sind Extrem-Wetter wie Frost und Hagel, die sogar noch Auswirkungen auf das Folgejahr beim Wachstum der Reben haben können. Insbesondere um die Eisheiligen herum kann der Frost ganze Ernten zerstören. Aber auch Gewitterstürme mit Hagel können im Sommer ganze Ernten vernichten.

    2. Der Schnitt und die Pflege des Weinstocks

    Schnitt und Pflege tragen während des Jahrs ebenso einen großen Anteildazu bei, ob ein gutes Weinjahr ein besonderes werden kann. Der Schnitt nach dem Jahreswechsel prägt den Wuchs des Weins. Der alte Trieb aus dem Vorjahr wird abgeschnitten und nur ein junger Trieb bleibt stehen. Aus diesem werden im neuen Jahr die Trauben wachsen. Die ungefähre Menge an Trauben, die an einem Stock wachsen, kann so gesteuert werden. Weniger bedeutet beim Wein mehr! Kleine Mengen Trauben an einem Stock sorgen für intensiveren Geschmack. Das Ganze wird vom Winzer bis zur Ernte mit weiteren Maßnahmen zur Qualitätssteuerung über das Jahr hinweg begleitet. Ab der Lese liegt es am Winzer, im Keller das Optimum aus den Trauben herauszuholen.

    Rebschnitt
    © Deutsches Weininstitut (DWI)

    Was zeichnet gute Jahrgänge aus?

    Weißwein jung: Perfekte Harmonie von Frucht, Frische und feiner Säurestruktur.

    Weißwein kräftig: Langes Reifepotential, intensiver Duft, dunkle, goldene Farbe.

    Rotwein leicht: Volles Fruchtaroma, vergleichsweise dunkler in der Farbe, kräftiger Duft.

    Rotwein schwer: Tiefdunkle Farbe, hoher Tanningehalt, hoher Alkoholgehalt, warme Fruchtaromen, enorm langes Reifepotential.

    Weine aus guten Jahrgängen können von langer Reife profitieren. Bei Weißweinen können das 5-10 Jahre und bei Rotwein 10-20 Jahre sein.

    Beispiele für besonders gute Jahrgänge der letzten Dekade

    Deutschland:
    2011
    2012
    2019

    Italien:
    2010
    2015
    2018

    Frankreich:
    2012
    2015
    2018

    Spanien:
    2010
    2013
    2016

    Einen guten Jahrgang gereift zu trinken ist ein besonderes Vergnügen. Es lohnt sich nach Händlern zu suchen, die auch gereiftere Weine anbieten. Viel Spaß dabei!

    BIO:

    Kai Wunner, Unternehmer im Einzelhandel, 52 Jahre,

    Kommt aus Stuttgart und seine beiden großen Hobbies sind Wein und Golf. Seit seiner Ausbildung zum dualen Betriebswirt im Einzelhandel dem Thema Wein verbunden und dieses ist immer im Herzen gebleiben, auch wenn sich das Sortiment in seinen Einzelhandelsbetrieben mittlerweile der Versorgung von Tieren aller Art widmet. Seine Artikel sollen einen einfachen Zugang zum Thema Wein ermöglichen, ohne den Anspruch des großen Experten zu erheben. Er ist Mitgründer des 2013 entstandenen Online-Golfmagazins GolfSTR. Mit WineSTR wird das Konzept nun auf den Wein übertragen. So soll eine regionale Community für Weinliebhaber entstehen in der Metroplregion Stuttgart und gerne darüber hinaus entstehen.

    Mit dem WineSTR CLUB soll eine Gemeinschaft entstehen die gemeinsamen Spaß und Vorteile für die Mitglieder schaffen soll.