Piwi-Wein – Die Rebe der Zukunft erreicht die Weinbranche
von Melina Miller über denn Podcast von Nathalie Tewoldeberhan
„PiWi?“ – Dieser Begriff mag zunächst für Stirnrunzeln sorgen, vor allem wenn man ihm zum ersten Mal begegnet. Doch in der Weinbranche steht „PiWi“ für nichts Geringeres als Pilzwiderstandsfähige Weine, die auch als Weine der Zukunft gefeiert werden.
Dabei handelt es sich um gezüchtete Rebsorten, die resistenter gegen Pilzkrankheiten sind als herkömmliche Weine. Dies ermöglicht, dass eine deutlich geringere Menge an Pflanzenschutzmitteln eingesetzt werden müssen und trägt somit maßgeblich zu einer nachhaltigeren Weinproduktion bei.
Barbara Singer vom Weingut Singer-Bader betont aber auch, dass die Weinbereitung mit PiWi-Reben aufgrund geringerer Erfahrungswerte eine Herausforderung sein kann. Obwohl PiWi-Reben weniger Pflanzenschutzmittel benötigen und Trockenheit besser vertragen, müssen Winzer neue Methoden in der Weinbereitung entwickeln. Nur reife, gesunde Trauben führen zu einem guten Wein, und das Experimentieren ist dabei essenziell.
Geschmacklich erinnern PiWi-Weine an traditionelle Rebsorten, besitzen jedoch einen eigenen, einzigartigen Charakter. Die moderne Züchtungstechnologie, die bisher ohne Gentechnik auskommt, ermöglicht es, die besten Eigenschaften der Reben gezielt weiterzuentwickeln.
„Tendenziell sind die Rebsorten darauf hin gezüchtet, dass sie gefühlt immer an traditionelle Rebsorten erinnern, aber PiWi ist nie eins zu eins der gleiche Geschmack.“
Barbara Singer
PiWi-Weine repräsentieren also eine wichtige Innovation im Weinbau, die sowohl ökologische als auch ökonomische Vorteile bietet. Mit ihrer Resistenz gegen Pilzkrankheiten und ihrer Anpassungsfähigkeit an klimatische Veränderungen zeigen PiWi-Rebsorten, dass Nachhaltigkeit und hohe Weinqualität Hand in Hand gehen können. Die Erfolge in Deutschland und die positive Resonanz von Winzern und Verbrauchern deuten darauf hin, dass PiWi-Weine die Weine der Zukunft sein könnten.
Podcast Rund um das Thema Wein
Podcast Wein #8: Revolution im Weinbau – Piwi-Wein – Die Rebe der Zukunft erreicht die Weinbranche
Melina Miller studiert seit 2021 Kommunikationswissenschaft an der Universität Hohenheim und arbeitet nebenbei als Werkstudentin in der Wirtschaftskanzlei Gleiss Lutz. Ihre Freizeit verbringt sie am liebsten mit ihren Freunden, ihrer Familie oder einem guten Buch. Sie hat das WSET Level 1 Weinseminar an der Vinophilium Wine Academy absolviert und damit ihren ersten Schritt in die Weinwelt getan.
Großer Erfolg der beiden ZukunftsweineVeranstaltungen im Remstal
von Kai Wunner
Robust, nachhaltig und umweltschonend – das sind die Eigenschaften der neuen Rebsorten, die sicherstellen, dass es auch in 100 Jahren noch Weinbau in unseren Breitengraden gibt. Und weil der bisher übliche Begriff pilzwiderstandsfähige Rebsorten (PIWI) diese neuen Rebsorten nur unzureichend erklärt und außerdem für den Verbraucher wenig Charme mitbringt, bezeichnen wir sie als Zukunftsrebsorten oder Zukunftsweine.
Um das Thema bei den Endverbrauchern und beim Fachpublikum besser bekannt zu machen, intiierte Barbara Singer vom Weingut Singer-Bader zwei Veranstaltungen. Das Event von Freitag, 10. Februar 2023 richtete sich an die breite Öffentlichkeit. Rund 120 Zukunftsweine von mehr als 50 Weingütern standen zur Verkostung bereit. Das Angebot wurde von mehr als 170 Weininteressierten begeistert angenommen, die sich diese Gelegenheit nicht entgehen ließen, die Zukunft des Weinbaus zu erleben und zu verkosten. Referenten waren Felix Hoffmann des Winzer-Netzwerks Zukunftsweine und Johannes Jäger, Bioland-Weinbauberater.
Am Montag, 13. Februar 2023 fand die Veranstaltung für Fachpublikum aus Weinhandel und Gastronomie statt. In Präsentationen von und Diskussionen mit Master of Wine Thomas Curtius, Sommelière Christina Schillinger und Anna Rummel vom Weincampus Neustadt wurden internationale und nationale Aspekte beleuchtet und Tipps für die Umsetzung in die Praxis erläutert.
Daneben fanden die gezeigten alternativen Verpackungen für Wein großes Interesse: Ob die XBO-Box von Anja Sistonen, das Ebb & Flow Keg von Philipp Neveling und Deandra Anderson oder die mobile Ausschankanlage von Firma Ebinger – alle Verpackungslösungen zeichnen sich durch Nachhaltigkeit aus.
Warum müssen neue Rebsorten robust sein? Die Klimaveränderung führt zu immer geringeren Niederschlagsmengen. Auch wenn die Weinreben im Vergleich zu anderem Obst mit sehr wenig Wasser durchs Jahr kommen, ist vor allem in den Anfangsjahren zur Bewurzelung der jungen Stöcke Regen notwendig. Die mediterranen Temperaturen im deutschen Südwesten haben in den letzten 20 Jahren zunächst dazu geführt, dass vermehrt südländische Reben angebaut wurden. Bei Neupflanzungen stellt sich der Winzer immer die Frage, welche Sorte in den nächsten 30-50 Jahren erfolgreich ist. Erfolgreich – nicht vorrangig in der Vermarktung – sondern im Anbau.
Pilzresistente Rebsorten sind noch eine Nische. Sie werden aber weiter an Bedeutung zunehmen im Zuge der Diskussionen um Nachhaltigkeit im Weinberg. Die Veranstaltung hat gezeigt, wie vielfältig das Spektrum der Weine im Hinblick auf Aroma,Textur und Ausdruck heute schon ist. Und da geht in Zukunft sicher noch mehr.
Dabei geht es um Nachhaltigkeitsgedanken: Geringer Arbeitsaufwand durch aufrechtes Wachstum, keine Bewässerung durch Trockenstresstoleranz, wenige Durchfahrten mit dem Traktor zur Boden- und Ressourcenschonung, minimierter Pflanzenschutz zum Wohle des Lebensraums Weinberg. Bereits seit einigen Jahren hat das Weingut Singer-Bader einen Zukunftswein der Sorte Cabertin im Sortiment. Im Edelstahltank wartet nun ein Sauvignac auf seine Abfüllung. Weitere zwei Jahre wird es noch dauern, bis ein Souvignier Gris in die Flasche kommt. „In unserem Bioland Weingut stehen bereits auf drei von insgesamt 10 Hektar Piwi-Sorten aus der sogenannten zweiten und dritten Generation. Diese sind geschmacklich wahnsinnig gut. Dabei wurden Sorten wie Regent aus der ersten Generation revolutionär weiterentwickelt“, erklärt Julian Singer. Er und sein Team haben das 30-prozentige Bio-Anbau-Flächen-Ziel der Baden-Württembergischen Landesregierung bereits realisiert und hoffen auf viele Zukunftswein-Winzer-Kollegen in der Region.
Youtube-Video zur Veranstaltung:
Die Veranstaltungen wurden unterstützt durch die Bio-Muster-Region Rems-Murr-Ostalb, Bioland, Zukunftsweine GmbH, PIWI Deutschland und Remstal Tourismus.
Zur WEINKORB Vinothek und zum Weingut Singer-Bader
2018 haben sich die Winzerfamilien Singer aus Korb und Bader aus Stetten zusammengeschlossen.Das Weingut Singer-Bader bewirtschaftet zehn Hektar Rebflächen im Remstal. Mit dem Jahrgang 2020 wurde das Weingut bio-zertifiziert (Bioland). Nachhaltigkeit wird im Weingut großgeschrieben, was sich beispielsweise auch im Einsatz neuer und zukunftsorientierter Rebsorten, so genannter Zukunftsweine, zeigt. Weingut und Vinothek heben sich durch ihre außergewöhnliche Architektur und die Vielfalt der angebotenen Veranstaltungen ab.
Seit 2022 ist das Weingut Mitglied bei Zukunftsweine.de, dem Gewinner des deutschen Nachhaltigkeitspreises 2022 und engagiert sich mit großen persönlichen Einsatz für die Zukunftsrebsorten.