Bio-Weingut Singer-Bader zu Gast bei der Küchenparty im Rebblick
Ein Beitrag von Barbara Singer-Bader
Genussfreunde dürfen sich auf einen besonderen Abend freuen: Am Donnerstag, 26. März 2026, lädt das Restaurant Rebblick in Korb ab 19 Uhr zur ersten Küchenparty des Jahres ein. Die Gäste erleben den kulinarischen Abend dort, wo sonst nur das Küchenteam arbeitet – direkt am Herd. Während die Köche verschiedene Gerichte live zubereiten, können Besucherinnen und Besucher den Küchenprofis über die Schulter schauen, ins Gespräch kommen und sich durch die Speisen probieren.
Begleitet wird der Abend von Bio-Weinen des Weinguts Singer-Bader, die Sommelier Julian Rommel an der REB-Bar präsentiert. Nach einem Glas Sekt zum Aperitif können die Gäste die Weine passend zu den einzelnen Gerichten glas- oder flaschenweise entdecken. Im Preis von 69 Euro pro Person sind zahlreiche Speisen des Abends und der Begrüßungssekt enthalten. Die Weine werden nach Verbrauch berechnet.
Die Küchenparty bildet den Auftakt zu einer vierteiligen Veranstaltungsreihe im Laufe des Jahres. Für den Schwung aus der Hüfte sorgen kleine Bands, die dasselbe Credo haben, wie die Genussbotschafter aus Küche und Keller: „handmade“. Los geht’s mit Bottum up. Maike Roth (Gesang) und Herbert Schläfer (Klavier) bereichern mit Ihrer Musik die RebblickAtmosphäre.
Bei der nächsten Küchenparty am Donnerstag, 23. April spielt das Duo „Just voice and wood“. Weitere Termine, mehr Informationen sowie die aktuelle Speisenfolge finden Interessierte unter: www.rebblick-korb.de
Gemeinsam mit Grundstückseigentümern, regionalen Unterstützern und Wanderschäfer Jochen Bacher vom Käsbühlhof werden aufgegebene Rebflächen durch Schafbeweidung gepflegt. Die Tiere halten die Vegetation kurz, schaffen strukturreiche Lebensräume und fördern damit die Artenvielfalt.
Coburger Fuchsschafe. Foto Jessica Morfis
Brachen im im Weinberg. Foto Jessica Morfis
Bereits im Sommer 2025 sowie erneut im Winter 2025/2026 wurden mehrere Flächen erfolgreich beweidet. Erste Beobachtungen zeigen positive Effekte auf Pflanzenvielfalt und Lebensräume für Insekten und Kleintiere.
Coburger Fuchsschafe im Weinberg. Foto Jessica Morfis
Das Projekt gilt inzwischen als Beispiel dafür, wie Naturschutz, Kulturlandschaftspflege und regionale Zusammenarbeit miteinander verbunden werden können. Angesichts zunehmender Flächenstilllegungen im Weinbau sehen Fachleute darin einen möglichen Modellansatz für andere Weinregionen.
Pilotprojekt setzt auf tierische Helfer im Weinberg
Ein Beitrag von Barbara Singer-Bader
Leise ziehend wandert die Herde über die steilen Hänge am Korber und Kleinheppacher Kopf. Rund 400 Coburger Fuchsschafe mit ihren über 50 Lämmern grasen dort, wo früher Reben standen. Was auf den ersten Blick idyllisch wirkt, ist Teil eines zukunftsweisenden Projekts für den Weinbau.
Immer mehr steile und kleinstrukturierte Weinbergsflächen können wirtschaftlich kaum noch bewirtschaftet werden. Ohne Pflege würden sie verbuschen und langfristig ihren ökologischen und kulturhistorischen Wert verlieren. Genau hier setzt das Pilotprojekt der Interessengemeinschaft „IG Beweidung Weinberge“ an und schickt die sanften, vierbeinigen Landschaftspfleger in die Weinberge.
Coburger Fuchsschafe im Weinberg. Foto Jessica Morfis
Gemeinsam mit Grundstückseigentümern, regionalen Unterstützern und Wanderschäfer Jochen Bacher vom Käsbühlhof werden aufgegebene Rebflächen durch Schafbeweidung gepflegt. Die Tiere halten die Vegetation kurz, schaffen strukturreiche Lebensräume und fördern damit die Artenvielfalt.
Coburger Fuchsschafe. Foto Jessica Morfis
Brachen im im Weinberg. Foto Jessica Morfis
Bereits im Sommer 2025 sowie erneut im Winter 2025/2026 wurden mehrere Flächen erfolgreich beweidet. Erste Beobachtungen zeigen positive Effekte auf Pflanzenvielfalt und Lebensräume für Insekten und Kleintiere.
Coburger Fuchsschafe im Weinberg. Foto Jessica Morfis
Das Projekt gilt inzwischen als Beispiel dafür, wie Naturschutz, Kulturlandschaftspflege und regionale Zusammenarbeit miteinander verbunden werden können. Angesichts zunehmender Flächenstilllegungen im Weinbau sehen Fachleute darin einen möglichen Modellansatz für andere Weinregionen.
Unser Beitrag zu einer artenreichen Insektenwelt in unseren Weinbergen und zum Schutz der Wildbienen. Pro verkaufte Flasche unseres Riesling Sekt brut – traditionelle Flaschengärung – säen wir 5 qm Bienenweide in unseren Rebgassen ein.
Mit dem Kauf dieses auf einzelnen Flaschen vergorgenen Sekts unterstützen Sie ein wichtiges Projekt im Remstal. Pro verkaufter Flasche IN-SEKT werden 5 m² Bienenweide eingesät. Diese Blühflächen sorgen in den regionalen Weinbau-Ökosystemen für ein vielseitiges Nahrungsangebot für die heimische Insektenwelt.
Youtube-Video Wir etikettieren unseren IN-SEKT – Weingut Singer-Bader
Sommer, Sonne, Hochsaison für die Handarbeitsschritte im Weinberg: Einschleifen und Heften nennen wir die manuelle Bearbeitung der Laubwand.
Dabei führen wir einzelne Triebe in den Drahtrahmen, damit diese aufrecht wachsen, bei Wind und Wetter nicht abbrechen und die Trauben einzeln und gut verteilt in der sogenannten Traubenzone wachsen können. Von Juni bis August bearbeiten wir jeden Stock mehrmals, um geordnete Reihen und gleichmäßigen Weinberg zu erhalten. In diesem Video erklärt Anton Herrrlich, Dualer Student der @dhbwstuttgart Studiengang Weintechnologiemanagement die Vorgehensweise.
Youtube-Video Erster Heftdurchgang – Weingut Singer-Bader
Unser Sekt entsteht nach dem aufwendigsten Verfahren – der traditionellen Flaschengärung. Dabei haben wir jede einzelne Flasche rund 50 mal in der Hand!
1. Schritt: Der Saft besonders ausgewählter Trauben wird zu Wein vergoren.
2. Schritt: Der fertige Wein erhält eine Dosage aus Zucker und Hefe um zum zweiten mal zu gären und dabei Kohlensäure zu entwickeln, die im Wein gebunden bleibt.
3. Schritt: Durch Lagerung auf der Hefe werden Extrakt- und Geschmacksstoffe aus dieser in den Wein (Sekt) übertragen.
4. Schritt: Die Hefe wird entfernt. 5. Schritt: Der fertige Sekt erhält eine Dosage aus Likör, die ihm die gewünschte Geschmacksrichtung gibt.
Ist die Königin der Weißweine, die Rieslingtraube, in ernsthafter Gefahr?
von Friedemann B. Götz
Es liegt auf der Hand, dass der Klimawandel mit seinen Wetterextremen nicht spurlos an einer fragilen Frucht wie der Rieslingtraube vorübergeht. Wir haben deshalb bei drei unserer Riesling-Winzer aus Deutschland nachgefragt: Ist die Königin der Weißweine, die Rieslingtraube, in ernsthafter Gefahr?
Der Klimawandel ist in aller Munde und zeigt sich eindrucksvoll in dramatischen Episoden. Die Meeresspiegel steigen, die Temperatur geht nach oben und Wetterextreme wie Überschwemmung und Trockenheit werden häufiger.
Es liegt auf der Hand, dass der Klimawandel mit seinen Wetterextremen nicht spurlos an einer fragilen Frucht wie der Rieslingtraube vorübergeht. Wir haben deshalb bei drei unserer Riesling-Winzer aus Deutschland nachgefragt, ob sie die Königin der Weißweine, die Rieslingtraube, in ernsthafter Gefahr sehen.
Wir haben alle drei Winzer gefragt, wie es unter dem Aspekt des Klimawandels aktuell um den Riesling steht. Die beiden nördlicheren Winzer (Felix Prinz zu Salm-Salm und Johannes Groß) überraschen uns mit einer beinahe deckungsgleichen Antwort:
„Dem Riesling ging es noch nie besser, der Klimawandel spielt uns extrem in die Karten aktuell. Natürlich stellen wir Veränderungen fest, aber man muss fairerweise sagen, dass uns hier im deutschen Cool Climate ein wenig mehr Sonne und Trockenheit noch nicht geschadet hat“.
Johannes Groß
Man müsse sich nur einmal die Erträge der letzten Jahre im Vergleich zu den letzten Jahrzehnten anschauen, um festzuhalten, dass der Wein gerade gut wächst. Auch sei es vor 30 – 50 Jahren eine Seltenheit gewesen, dass stets vollreife Trauben gelesen werden können. Dies ist nun normal.
Aaron Schwegler aus Württemberg ist aktuell ebenfalls zufrieden mit seinen Rieslingreben. Er pflegt die geerbten Reben mit aller Sorgfalt, blickt allerdings auch kritisch in die Zukunft: „Ich kann hier nur Riesling anbauen, solange die Reben gesund sind und unter den aktuellen klimatischen Bedingungen eine Fortführung des Rieslings sinnvoll ist.“
Rieslingtrauben werde geerntet. Foto Vioneers
Neue klimatische Bedingungen für den Riesling
Dass sich die Bedingungen für den Weinbau verändern, leugnet keiner der Winzer. Sie sehen sich und die Weinbranche aktuell von folgenden Phänomenen beeinflusst:
1. Trockenheit
Ein globaler Temperaturanstieg von wenigen Dezimalen ist bereits Anlass genug, dass das Thema Trockenheit auf der Agenda der Winzer steht.
Felix Prinz zu Salm-Salm sieht bei der Trockenheit besonders das filigrane Gleichgewicht des Rieslings in Gefahr:
„Der Riesling lebt ja von der Balance zwischen Säure und Restzucker. Außerdem wollen wir nicht zu viel Alkohol im Riesling haben. Von der Filigranität lebt der Riesling.“
Felix Prinz zu Salm-Salm
Grund zur Sorge sei dies aber noch lange nicht, da man mit seinen Herausforderungen wachse und den Riesling immer noch im Griff habe. Hat man diese Balance nicht im Griff, wird der Riesling schnell langweilig, zu alkoholisch oder zu sauer. Wir haben die Rieslinge getestet – alle drei Winzer haben den Riesling im Griff.
2. Frühe Lese
Im Vergleich zu den Wetterdaten der letzten 50 Jahre hat sich die Weinlese – besonders auch im Hinblick auf den Riesling – um mehrere Wochen nach vorne verschoben. Im Vergleich zu den 1950er Jahren ernte man nun im Schnitt 21 Tage früher.
Eine Veränderung, die die Dynamik auf Weingütern beeinflusst: Erntehelfer müssen früher im Jahr bestellt werden. Gleichzeitig heißt das aber auch, dass bei gleichbleibendem Ernteende die Ernte länger sei. Ein Kostenfaktor, den man mit einkalkulieren muss.
3. Wetterextreme
Alle Winzer nennen einzelne Jahre, die Wetterextreme mit sich brachten. Allein aus dem letzten Jahrzehnt sind hier nur 2022, 2018 und 2015 zu nennen. Extreme Trockenheit war hier das Problem. Aaron Schwegler führt dieses Phänomen mitunter auf die Verlangsamung des Golfstroms zurück: „Die Faktenlage ist klar: Der Golfstrom verlangsamt sich und somit wird auch die Wetterdynamik träger. Entweder ein Sommer ist ohne Veränderung der Großwetterlage komplett heiß und trocken wie 2022. Oder er ist komplett verregnet wie 2021. Zwischendrin findet immer seltener stabiles Wetter.“
4. Wasserknappheit
Aaron Schwegler fügt weiter an, dass die zunehmende Versteppung eine Folge aus mehreren Faktoren des Klimawandels sei. „Blickt man beispielsweise nach Kalifornien wird das Ausmaß des Wassermangels deutlich: die Staubecken leeren sich und es kommt kaum Regen nach.“ Eine Rationierung des Wassers ist die Folge, was natürlich die Frage der Wirtschaftlichkeit aufwirft und leider auch der Existenz des Weinbaus. Muss man dem Weinbau Vorrang vor der Landwirtschaft geben, die die Bevölkerung ernährt?
„Ich kann mir nicht vorstellen, dass da inmitten der Wüste einzelne Weinberge künstlich bewässert am Leben gehalten werden, während das Wasser zur Sicherstellung der Ernährung und somit der Existenz der umliegenden Bevölkerung genutzt werden sollte.“ (Aaron Schwegler)
Riesling-Weinberg. Foto Vioneers
Was heißt das für den Riesling – wird er ersetzt durch andere Rebsorten?
„Das hängt einerseits von der Region, andererseits natürlich vom Boden und vom Klima ab“ – so Johannes Groß. Es habe sich schon vor einigen Jahren ein Fenster geöffnet, das es Rebsorten ermöglicht zu wachsen, die bisher mehr im Süden Europas zu Hause waren. Johannes plant allerdings nicht, seine Rieslinge und Burgundersorten durch andere Rebsorten zu ersetzen. Auch sieht er den Vorteil in seinen Süd- und Osthängen, die ihm klimatisch in die Karten spielen.
So pauschal optimistisch Felix Prinz zu Salm-Salm auf seinen Riesling schaut, hat er doch einen differenzierten Blick im Bezug auf andere Rebsorten. Dies hänge von der Region ab. Besonders im Süden (Baden und Württemberg) würde man sicher vor einige Herausforderungen gestellt. Einen großen Shift – gerade in den großen Spitzenbetrieben – sehe er allerdings nicht.
Aaron Schwegler im Remstal knüpft hier an und spricht von seinem Glück, dass seine Eltern in den 1980er Jahren bereits anfingen Merlot und Cabernet Franc in Württemberg zu setzen. Beides sind Rebsorten, die damals mehr als absurd und deplatziert erschienen, von denen er nun mit dem Klimawandel allerdings profitiert.
Im Hinblick auf den Riesling wandert Aarons Blick in der Planung auf die südfranzösischen Weinbauregionen mit ihren weißen Rebsorten. Es liege schließlich in seiner Verantwortung in großen Zyklen zu denken, um kommenden Generationen die Freude an alten Reben zu bescheren, die er erfahren durfte.
Rieslingtraube. Foto Vioneers
Die Zukunft des Rieslings
„De facto ist es so, dass ich in den heißeren Lagen wie bei uns im Remstal dem Riesling keine große Zukunft mehr prognostiziere.“
Aaron Schwegler
Allein aus wirtschaftlicher Sicht lohne es sich für Aaron Schwegler nicht in neue Rieslingreben zu investieren. Das habe er noch nie getan und würde er auch niemals machen. Es dauere schließlich 3 Jahre bis mit den ersten Erträgen zu rechnen sei und weitere 5 bis 10 Jahre bis die Reben eine Gleichmäßigkeit und Qualität an den Tag legen, von denen man leben könne. Mit zunehmenden Wetterextremen sei diese Entwicklung allerdings in Gefahr, sodass er die sensible Rebsorte in seiner Planung „komplett von der Agenda“ streichen müsse.
Johannes Groß sieht weiterhin eine gute Zukunft für den Riesling. „Klar wird sich einiges verändern, aber wir wachsen mit der Zeit und unseren Herausforderungen. Ich glaube, es ist noch lange nicht so weit, dass wir sagen: Dem Riesling wird es hier zu warm.“
Das Hier und Jetzt
Es lässt sich viel über die Zukunft streiten und diskutieren. Dennoch können wir letztendlich wenig beeinflussen, außer der Gegenwart.
So blickt auch Felix Prinz zu Salm-Salm pragmatisch auf die Lage. Zum Einen liegt sein Investitionsfokus seit längerem bereits auf den höheren Lagen, um weiterhin Cool Climate beibehalten zu können. Zum Anderen müsse man nachhaltig über regenerative Bewirtschaftung nachdenken. Der Boden müsse bereit sein, Wasser zu speichern, aber auch bei Starkregen Wasser schnell aufzunehmen. Zu bewerkstelligen sei dies durch regenerative Landwirtschaft: „Wir wollen den Boden nicht mehr aufmachen, sondern wir wollen, dass die Wurzeln sich wirklich ausbreiten können und langfristig tief wurzeln können. Somit bilden wir eine Schicht, die das Wasser speichert.“
Es sei das allerwichtigste aktuell, sein Know-How auszubauen, um den heißen Jahren in Zukunft entgegenzuwirken und aufmerksam die Entwicklungen zu verfolgen.
Fazit
Unsere drei befragten Winzer blicken aus ihren unterschiedlichen Weinbauregionen jeweils anders auf das Thema. Während Aaron Schwegler im Süden den Riesling von seiner Zukunftsplanung komplett streicht, freuen sich die Winzer von Nahe und Rhein über die vollreifen Rieslingtrauben der letzten Jahre. Unsere Winzer haben den Klimawandel im Blick und stellen sich auf Veränderungen ein. Das Hier und Jetzt ist die entscheidende Zeit, um Schlimmeres zu verhindern.
Schau Dir hier das Interview mit Felix Prinz zu Salm-Salm an.
Nur beste Weíne.
Vioneers setzt sich zusammen aus vino [ital.] für „Wein” und pioneers [engl.] für “Pioniere”. Wir sind Weinpioniere und Winzerentdecker. Wir entdecken unsere besten Weine auf familiengeführten Boutique-Weingütern auf der ganzen Welt.
Mit dem Mai erreicht das Frühjahr seinen Zenit. Damit die Weinreben optimal wachsen können gilt es umfangreiche Arbeiten im Weinberg anzugehen. Mit Ausbrecharbeiten an den Rebstöcken und erheblichen Bodenarbeiten wird so die Grundlage für eine gute Ernte geschaffen.
Ausbrecharbeiten
Sind die kalten Frostnächte überstanden, werden überschüssige Triebe entfernt. Dies ist im Frühjahr besonders im Stammbereich wichtig und nennt sich Stämmle oder Stämmchen putzen. Als Stamm wird der Abschnitt des Rebstocks vom Boden bis zum ersten Draht bezeichnet.
Um den ersten Draht befindet sich der „Kopf“. Aus dieser sogenannten Basis – in Spalieranlagen – ca. auf einer Höhe von 80 cm, treiben Jahr für Jahr neue Triebe aus. Diese werden im ersten oder zweiten Jahr nach Austrieb als Fruchtruten ausgewählt, sie sind also das Holz, aus denen die Trauben eines Jahres wachsen.
Je nach Sorte treiben hier unterschiedlich viele junge Triebe aus – die es gilt zu selektieren. Kopf putzen – nennen wir diesen Arbeitsschritt – der bei jedem einzelnen Rebstock (4500 pro Hektar) individuell erfolgt. Erfahrung, Fingerspitzengefühl und die Vorstellungskraft, wie der Rebstock in einem weiteren Jahr (nach Verholzung über den Winter) aussehen kann, sind hier nötig.
Genauso wie im zweiten Arbeitsschritt – der Triebzahlkorrektur auf der Rute, die als Ertragsvoreinstellung bezeichnet werden kann – gehören diese Ausbrecharbeiten zu den wichtigsten Arbeitsschritten im Jahreslauf.
Hier sorgen wir frühzeitig für folgenden grundlegenden Effekt: Die Vorbeugung von Dicht-und Engstellen, welche im späteren Stadium, wenn die Triebe ausgewachsen sind, für die nötige Belüftung sorgt. Vor allem im Bio-Weinanbau, wo wir vorbeugende anstatt kurative Pflegemaßnahmen anstreben ist dies die halbe Miete zur Bekämpfung des „echten und falschen Reben-Mehltau“ – die beiden wichtigsten Pilzkrankheiten, die es gilt in Schach zu halten. Unser Ziel vom Anfang im Frühjahr bis zur Lese: 100 % gesunde Trauben zu erzeugen. Denn nur solche Beeren entfalten das einzigartige Rebsorten-Aroma und ergeben schöne Weine.
Bodenbearbeitung
Neben dem Aroma spielt der Terroirgedanke eine Rolle. Diesen unterstützen wir mit dem richtigen Bodenmanagement – bewusst Management – denn hier spielen einige verschiedene Arbeitsschritte, angepasst an die jeweilige Witterung, eine Rolle. Beispiele sind:
Spaten/ Tiefenlockerung / Kreiseln
Im Unterstockbereich kommen folgende Maschinen zum Einsatz: Stockräumer, Scheibe, Rollhacke, Bürste
Begrünungseinsaat- und Düngung, Kompostausbringung
Wichtig für die Rebe ist eine Bodenbegrünung, die heute im Weinbau kaum noch wegzudenken ist. Während Gräser und Kräuter früher im Ruf standen, die Rebkultur zu schwächen, ist die Begrünung mit trockenresistenten und robusten Pflanzen heute sogar erwünscht und wird besonders gefördert. In unseren Weinbergen wachsen heute über 160 verschiedene Gräser und Kräuter. Ohne Begrünung wären die steilen Hänge starker Erosionsgefahr ausgesetzt. Durch die Wurzeln der Begrünungspflanzen hat der Boden einen stabilen Halt und bleibt doch aufgelockert. Darüber hinaus nimmt die Begrünung auch überschüssige Nährstoffe aus dem Boden auf. Bis zum Herbst wird die Begrünung mehrmals abgemäht und bildet dabei wertvollen Humus. Die Kräuter und Gräser erfreuen nicht nur Spaziergänger und Weingärtner mit ihrer Vielfalt und Farbenpracht, sondern sind auch Wirtspflanzen für Nützlinge im Weinberg.
Im April beginnt das Frühjahr so richtig, eine der schönsten Zeit im Weinjahr. Die Vegetation erwacht. Frisches Grün überall. Junge Triebe treiben aus, das Bodenleben wird aktiviert, die Reben „kommen in Saft“ (die Leitungsbahnen befördern Wasser aus dem Boden in den Rebstock), Insekten wachen aus der Winterruhe auf, Hasen und Rehe sind zu sehen, Vögel fliegen aus dem Süden zurück und mittendrin wir als Winzer. Mit der Natur zu arbeiten wird einem besonders im Frühjahr bewusst. Der Kreislauf startet von Neuem und es gilt als Mensch verantwortlich im Jahreslauf die richtigen Entscheidungen zu treffen – jetzt beginnt das Weinjahr von Neuem.
Endlich Frühjahr – die schönste Zeit im Weinjahr!
Nur als eingespieltes Team mit dem nötigen Bewusstsein der sensiblen aufeinander abgestimmten Arbeitsschritte entstehen gute Trauben. Wir sind Bioland Mitglied und versuchen im Kreislauf zu wirtschaften und natürliche Lebensgrundlagen zu bewahren. Im Weinbau bedeutet dies vor allem die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit und die Förderung einer biologischen Vielfalt. Wie anfällig unser Natursystem ist, wird einem als Winzer auch besonders im Frühjahr bewusst. Allein das Erwachen der Pflanzen aus der Winterruhe ist jedes Jahr ein Phänomen. Im Anfangsstadium des Austriebs – in der Fachsprache: Vom Anschwellen der Knospen über das Wollestadium bis zum 1 -Blatt Stadium werden die Augen gerne von Rhombenspanner (Schadinsekten) ausgefressen. Im April ist zudem die Gefahr eines Spätfrosts groß. Temperaturen im Minusbereich führen zu Frostschäden. Bis ca. zum 5-Blatt Stadium Mitte Mai gefährden diese Natur-Gewalten den Ertrag des Weinjahrgangs.
Daher belassen wir sogenannte Frostruten. Diese Ersatzruten stehen noch senkrecht nach oben und sind bei Frost weniger anfällig, da weniger bodennah. Sollte es zu Frostschäden oder massiven Austriebsausfällen an der angebundenen Rute kommen und Augen oder Triebe mit darin angelegten Trauben ausfallen, kann man auf die Ersatzrute zurückgreifen und diese anbinden. Wird sie nicht benötigt, schneiden wir diese nach dem 15. Mai (Kalte Sophie) ab. Natürlich alles in Handarbeit. Bisher kann keine Maschine erkennen, an welchem Rebstock Ruten ausgetauscht werden müssen. Ein enormer Mehraufwand – der aber in schon so manchem Weinjahr den Ertrag gerettet hat. Nicht nur in der Landwirtschaft ist man gut beraten „mehrgleisig zu fahren.
Pheromone und Nützlinge – als biologische Maßnahme gegen Schadinsekten
Im Weinberg leben tausende Insekten. Viele von diesen bezeichnen wir als Nützlinge, wie z.B. Marienkäferlarven oder Schlupfwespen, denn sie dezimieren Schädlinge, die bei allen Pflanzen anwesend sind. Im Fall des Traubenwicklers, der im Raupen- und zunehmend im Falterstadium gefährlich ist, da er massiv Triebe und Trauben befällt, setzen wir auf den Effekt von Pheromonen.
Seit 1992 wird der Traubenwickler damit biologisch bekämpft. An warmen Tagen dringt aus kleinen Ampullen der Lockstoff des weiblichen Traubenwicklers. Rund 40.000 Ampullen sind in unseren Weinbergen verteilt, sodass der männliche Traubenwickler kein Weibchen finden kann. Dadurch werden nur unbefruchtete Eier abgelegt, aus denen keine Larven hervorgehen.
Neben dem Biegen der Reben, das Kollege Sven Ellwanger schön erklärt hat, stehen im März die Neuanlage von jungen Weinbergen sowie Ausbesserungsarbeiten in den alten Anlagen an. Das Besondere an der Arbeit eines Winzers ist, dass er vom Pflanzen der Reben bis zum Verkauf der Flasche alles selbst gestalten und entscheiden kann.
Wir legen unsere Weinberge mit einer sehr hohen Pflanzdichte aus. Statt wie im Remstal üblich mit circa 5000 Reben pro Hektar pflanzen wir zwischen 7.500 und 15.000 Reben pro Hektar. Dadurch hat jede einzelne Rebe weniger Früchte zu tragen, steht in Konkurrenz zur Nachbarpflanze, wird so schneller kräftig und wurzelt tiefer. Die Qualität der Trauben ist dadurch konzentrierter, die Weine dichter und ausgeglichener.
So legen wir viel Wert auf qualitativ hochwertige Klone (Klon: griech., Zweig. Bedeutet im Weinbau die Produktion eines genetisch identischen Rebstocks), die wir über unsere Partner aus ganz Europa beziehen. Die alten Rebstöcke wurden schon vor zwei Jahren entfernt und den Weinbergen mit einer Brachebegrünung eine Ruhepause gegönnt. Vor der Pflanzung müssen händisch alle größeren Steine aufgelesen werden und eine lockere Bodenstruktur geschaffen werden. In den Tagen nach der Pflanzung gießen wir alle unsere Reben an und säen zwischen den Reihen eine artenreiche Begrünung ein. Diese dient der Festigung der Bodenstruktur, einer optimalen Durchwurzelung der oberen Bodenschicht, schützt vor Erosion durch Wind und Wasser und dient zudem einem langfristigen Humusaufbau in unseren Weinbergen.
In diesem Jahr haben wir Chardonnay gepflanzt, in Korb und Großheppach. Wir freuen uns schon auf die ersten Weine aus diesen neuen Anlagen, die wir allerdings frühestens aus dem Jahrgang 2024 erwarten! Neben dem Erstellen der Neuanlagen statten wir die Weine im Lager für euch aus und kümmern uns um unsere Barriques im Keller. Wobei Letzteres natürlich das ganze Jahr über notwendig ist.
Über den Rebschnitt im Januar hatte der Kollege Fabian Rajtschan berichtet, Als nächster Arbeitsschritt im Weinberg folgt das Binden der Reben im Februar oder März. Im Video zeige ich Euch auch die traditionelle Methode mit Weide und natürlich die einfachere, moderne Variante mit Draht.
Das Binden der Reben:
Beim Rebschnitt werden im Winter zwei Fruchtruten belassen. Im Februar oder März, wenn das Binden der Reben ansteht, wird eine davon ausgewählt und als Fruchtrute an den Biegdrähten mit einem dünnen Edelstahldraht fest angebunden. Die Fruchtrute kann entweder als Flachbogen oder Halbbogen nach unten gebogen werden. Wichtig dabei ist, dass die Augen (Knospen), die auf der Fruchtrute sitzen, entlang des Drahtrahmens gleichmäßig verteilt sind. Aus diesen Knospen wachsen später die Triebe, an welchen Trauben hängen. Und es ist jetzt schon von großer Bedeutung, dass hier eine gute Verteilung der Triebe angestrebt wird, um spätere Verdichtungen zu vermeiden.
Meine Kundschaft ist sehr anspruchsvoll und immer offen für neue Ideen und Kreationen.
Sven Ellwanger
Die zweite Rute (Frostrute) bleibt noch bestehen bis zu den Eisheiligen (ca. 10.-12. Mai), bis abzusehen ist, dass kein Spätfrost mehr den Austrieb gefährdet. Falls doch ein Spätfrostereignis eintritt, kann die zweite Rute entweder als Ersatz oder zusätzlich noch angebunden werden. Ansonsten wird sie Anfang bis Mitte Mai abgeschnitten.
Video von Sven Ellwanger zum Rebenbiegen/-binden
Jetzt bleibt zu hoffen, dass dieses Jahr wieder alles gut geht und wir mit genug Feuchtigkeit und ohne Spätfrost in die neue Saison gehen können.
Euch viel Spaß mit unseren Weinen! Liebe Grüße, Sven Ellwanger