Schlagwort: wolfganggerner

  • Serendipity

    Serendipity

    Lesestoff aus dem Weingut rebstoff

    von Dr. Wolfgang Gerner

    Serendipity oder nicht gesucht, aber glücklich gefunden. Vor einigen Jahren war ich auf eine Weinverkostung eingeladen, die mit einem besonderen Ritual begann: Jeder Teilnehmer hatte seine eigenen Verkostungsgläser mitgebracht, die er sorgsam auf dem Tisch bereitstellte. Bis auf mich – ich hatte nichts auf dem Tisch zu platzieren.


    Entsetzen, Ratlosigkeit. Mein Gastgeber Klaus hatte aber mitgedacht – und so kam ich in den Genuss eines Weinglases, welches zunächst für Entspannung sorgte und in der Folge das bunte Durcheinander an verschiedensten Rot- und Weißweingläser in unserem Haushalt von heute auf morgen weitgehend aufzulösen half: Das Gabriel-Universalglas. Namensgeber dieses federleichten Meisterwerks ist der Schweizer Weinexperte René Gabriel (*1957), Bordeaux-Experte der ersten Stunde und Herausgeber des Weinwisser-newsletters.

    Seither genießen wir zuhause Weiß- wie Rotwein und ganz besonders gerne Schaumweine aus diesen geradezu ätherischen, mundgeblasenen Gläsern. Und weil es schlichtweg ein großes Vergnügen ist, nicht aus irgendwelchen, sondern aus wohlgeformten Gläsern leckeren Wein zu trinken, haben wir für das herbstliche Lesevesper eine Anzahl an maschinengefertigen Gläsern des gleichen Typs besorgt. Letztere sind etwas dicker und robuster, dem Trinkvergnügen tut das jedoch keinen Abbruch.



    Zu unserem 20er Merlot/Cabernet Franc schreibt Andreas Lutz, Sommelier der Wielandshöhe in Stuttgart: „Die Cuvée zeigt sich noch jugendlich mit viel dunkler Frucht, wie Brombeere, Schwarzkirsche, reifen Zwetschgen, Heidelbeere und Erdbeerkonfitüre. Daneben würzige Komponenten vom Holz und Noten von Marzipan und Schokolade. Mit etwas Zeit im Glas ein Hauch Zimt und etwas Leder. Im Mund präsentiert sie sich saftig, mit eingebundener Säure und festem Gerbstoff. Der Wein hat Kraft, zeigt am Gaumen leichte, animierende Bittertöne und Röstnoten, bei guter Länge im Nachhall. Der Wein braucht anfangs noch Luft, daher lohnt sich karaffieren – oder noch 1-2 Jahre im Keller vergessen!“

    Merlot/Cabernet franc 2020
    Die Flasche kostet 19,80€,
    der Sechser-Karton 110€,
    die Magnum 45€.

    Unser rebstoff ist nach wie vor nur übers Weingut erhältlich. Entweder abholen im Viergiebelweg, bringen lassen wenn ich eh mit dem Auto unterwegs bin, oder per DHL. Hier kommen 10€ Versandkosten pro Karton dazu. Mehr dazu auf unserer webpage.

    WEINGUT rebstoff

    Dr. Wolfgang Gerner
    Viergiebelweg 26
    70192 Stuttgart

    Telefon: 0151.12101831
    Mail: dr.w.gerner@t-online.de

    Internet: www.rebstoff.info

  • Lebensreform

    Lebensreform

    Lesestoff aus dem Weingut rebstoff

    von Dr. Wolfgang Gerner

    Johann Carl Weck, 1842 in Schneidhain im Taunus geboren, war Vegetarier und Anhänger einer alkoholfreien Lebensweise. Er gehörte damit zu jenen Menschen in der Mitte des 19. Jahrhunderts, die eine soziale Reformbewegung begründeten, welche die Folgen von Industrialisierung, Materialismus und Verstädterung in Frage stellten. Die alternative Zukunft beinhaltete nicht nur die Freikörperkultur, Kleidung aus Wolle oder die Naturheilkunde, sondern auch eine Küchenreform, die ganz im Zeichen einer fleischlosen Ernährung stand und den Verzicht auf Alkohol forderte.

    1892 erhielt der Chemiker Rudolf Rempel ein Patent über das Haltbarmachen von Lebensmittel in Gläsern ohne Gewinde,
    nur mit einem Gummiring und Deckel mithilfe eines Wasserbades und Dampf. Und vor allem ohne Alkohol, ein bis dato übliches Verfahren. Aus diesem einfachen Verfahren des Einkochens sollte später dann das Einwecken werden, ein Neologismus, der 1934 gar in den Duden aufgenommen wurde. Denn, einer der ersten Kunden Rempels war der Unternehmer Johann Weck, der, im Kampf gegen den uferlosen Alkoholkonsum dieser Zeit, einen größeren Posten der Gläser einkaufte und einige Jahre später, Rempel war leider jung verstorben, das Patent übernahm. Weck musste jedoch bald feststellen, dass über wenig kaufmännisches Talent verfügte, die Einkochgläser verkauften sich nur schleppend. Und
    so holt er sich mit dem Rheinländer Georg van Eyck einen versierten Verkäufer an die Seite, mit dem er zusammen am 1. Januar 1900 die Firma J. Weck u. Co. im badischen Öflingen gründete. Weck verlies die Firma bereits zwei Jahre später und starb 1912 im Alter von 71 Jahren.
    Das Weckglas erlebte einen Siegeszug quer durch Europa und wurde millionenfach verkauft. Es gilt als einer der ersten Markenartikel überhaupt, das Markenzeichen Erdbeere wird seit der Gründung des Unternehmens verwendet.

    10 Einkochringe. Foto Dr. Wolfgang Gerner

    Dieses und rund 250 weitere Objekte in der wunderbaren Ausstellung BERAUSCHEND – 10.000 Jahre Bier und Wein noch bis Ende April im Landesmuseum im Alten Schloss. Absolut lohnenswert: Eine Führung mit Holger Starzmann, MA. Kurzweilig und humorvoll, interessant und abwechslungsreich, einfach gescheit.

    WEINGUT rebstoff

    Dr. Wolfgang Gerner
    Viergiebelweg 26
    70192 Stuttgart

    Telefon: 0151.12101831
    Mail: dr.w.gerner@t-online.de

    Internet: www.rebstoff.info

  • brut nature

    brut nature

    Lesestoff aus dem Weingut rebstoff

    von Dr. Wolfgang Gerner

    Der Begriff Sekt ein Szene-Wort? Shakespeare-Akteur Ludwig Devrient (1784-1832) pflegte nach der Vorstellung
    in einer Berliner Weinstube einzukehren, um mit einem Glas Champagner den Feierabend einzuläuten. Nach einem Auftritt im Jahr 1825, das gefeierte Theatergenie hatte eben noch den Falstaff im Drama Heinrich IV. gegeben, befahl er, noch ganz in der Rolle gefangen, dem Kellner: Bring er mir Sekt, Schurke! Ist keine Tugend mehr auf Erden? und bekam, als Stammgast wohlbekannt, jenes Getränk, das er immer zu bestellen pflegte: Champagner.

    Nun muss man dazu wissen, dass zu jener Zeit Sect oder Seckt die deutsche Übersetzung des englischen Begriffes sack war und für süßen spanischen Wein stand, der wiederholt in den Dramen des großen Engländers auftauchte. Jedenfalls verbreitete sich die Begebenheit rasch und schon bald orderte Sekt, wer Champagner wollte. Denn, den ersten deutschen Schaumwein stellte 1826 der Esslinger Unternehmer Georg Christian Kessler her und lexikalisch taucht der Begriff Sekt erst 1902 auf, gleichwohl sich 1894 der Verband deutscher Sektkellereien gegründet hatte. Heute unterliegt die Bezeichnung Sekt diversen Auflagen. Unser brut nature erfüllt die Kriterien des Winzersektes, darf aber so nicht heißen.

    Steillage in Mühlhausen. Foto Dr. Wolfgang Gerner

    Ende November haben wir die letzte Charge unsers Trollingersekts des Jahrgangs 2018 degorgiert, nach geduldiger Lagerung sur pointe über mehr als drei Jahre. Dabei reift der gerüttelte Sekt kopfüber in Gitterboxen gesetzt und dunkel weggeschlossen. Unser brut nature ist von wunderbarer hellgoldener Farbe und schmeckt angenehm nach reifen Mirabellen mit einem Hauch Orangenschalen. Sein Mousseux ist fantastisch! Dieses Mal beließen wir unseren Sekt ohne zusätzliche Dosage, trocken, wie er nach den beiden alkoholischen Gärungen ist. Als charaktervoller Aperitif stimmt er selbstbewusst auf einen genussvollen Abend ein. 375 Flaschen, die bald ausgetrunken sein werden.

    WEINGUT rebstoff

    Dr. Wolfgang Gerner
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    70192 Stuttgart

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  • Unfiltriert

    Unfiltriert

    Lesestoff aus dem Weingut rebstoff

    von Dr. Wolfgang Gerner

    Weiß- oder Roséweine haben nach verbreiterter Ansicht klar und strahlend zu sein. Diese reine Anmutung entsteht jedoch nur zum Teil von alleine, da vornehmlich junge Weine nach der Gärung noch über eine deutliche Trübung verfügen.

    Diese zeugt von Hefen, Bakterien oder festen Schwebstoffen, die aber im Laufe der Lagerung auf den Boden des Tanks absinken. Beim Abziehen wird der Wein vorsichtig oberhalb des Trubs entnommen, die Schwebstoffe bleiben im Gebinde zurück. Eine weitere Methode ist das Filtrieren. Jochen Beurer verwendet hierzu Kieselgur, ein Gesteinsmehl das sich mit den Schwebstoffen im Wein verbindet, um dann mit einem feinen Schichtenfilter wieder entfernt zu werden. So wird aus naturtrübem reiner Wein. Leider bleiben auch Aromastoffe im Filter hängen, eine der Kröten die dieser Vorgang mit sich bringt. Weswegen man bei Weinen die jung getrunken werden sollen, gerne auf das Filtern verzichtet, um Frische und
    Komplexität zu erhalten.

    Steillage in Mühlhausen. Foto Dr. Wolfgang Gerner


    „Wir haben unseren Rosé dieses Jahr nicht filtriert. Und deinen auch nicht.“ Jochen hält meinen Rosé vors Licht und strahlt. „Gute Farbe, oder?“ Wie im vergangenen Jahr, hat auch der 21er kräftige Farbstoffe aus den Traubenschalen mitgenommen, schon die kräftige rosa-orange Farbe macht Lust auf einen großzügigen Schluck. In der Nase Rhabarber und etwas Erdbeere, am Gaumen trocken und angenehm fruchtig mit leichter Mineralität. Moderat im Alkohol für einen unbeschwerten Trinkgenuß.

    WEINGUT rebstoff

    Dr. Wolfgang Gerner
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    Internet: www.rebstoff.info

  • Weingut rebstoff – Stuttgart

    Weingut rebstoff – Stuttgart

    Wein aus steilen Stuttgarter Lagen

    von Kai Wunner

    Die Weine von rebstoff sind tiefgründig, charaktervoll und eigenständig. Die beiden Terrassenweinberge liegen im Cannstatter Zuckerle und in Mühlhausen. Der Boden ist der Ursprung, die Hände sind das Werkzeug.

    Im Anfang war die Neugier. Im Jahr 2013 wollte Dr. Wolfgang Gerner wissen wie man Wein anbaut. Begann ein Praktikum und stolperte über einen heruntergekommenen Mauernweinberg im Cannstatter Zuckerle. Ein Jahr später waren die Terrassen mit Merlot und Cabernet Franc bestockt, aus denen der roten rebstoff gemacht wird. Ein cool climate Bordeaux blend mit präziser Frucht und moderatem Alkoholgehalt. In kostbaren französischen Barriques ausgebaut, wunderbar!

    Einige Jahre später kam noch eine Fläche in Mühlhausen dazu, die teilweise mit Cabernet Fanc neu bepflanzt wurde. In den kommenden Jahren sollen weitere Terrassen dazu kommen. Bis dahin wird ein herrlich frischer Rosé aus den 35 Jahre alten Trollinger-Reben gekeltert, die dort vor langer vor Zeit gelegt wurden.

    Steillage in Mühlhausen. Foto Dr. Wolfgang Gerner

    Die Reben wachsen auf den schmalen Ebenen zwischen trocken gesetzten Mauern, sogenannten Terrassen. Die Pflege der Pflanzen erfolgt von Hand, nachhaltig und ohne Herbizide zu verwenden. Im Weinberg im Cannstatter Zuckerle stehen die Reben aus denen der rote rebstoff gekeltert wird: Merlot und Cabernet Franc, 2013 und 2014 gepflanzt. In Stuttgart-Mühlhausen, unmittelbar am Neckar auf Höhe des Max-Eyth-Sees, wachsen die Trollinger, 35 Jahre alt und reife Persönlichkeiten. Dazu wurden vor einigen Jahren noch rund 200 Cabernet Franc gepflanzt, die seit dem Jahr 2021 einen soliden Anteil an der roten Cuvée beisteuern. Unmittelbar nach der Lese werden die Trauben in Stetten im Remstal von Jochen Beurer weiterverarbeitet: Er überwacht die Maischegärung und baut den Wein von rebstoff aus.

    Cool climate Bordeaux blend. Foto Dr. Wolfgang Gerner
    Rosé brut. Foto Dr. Wolfgang Gerner

    WEINGUT rebstoff

    Dr. Wolfgang Gerner
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